Wenyon & Gamble
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Peter Zec
Gegenwärtige Tendenzen der Kunstholographie

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Extract,p 164-167 from Holographie, Peter Zec, Dumont Buchverlag, Köln, ©1987 (original in German)

all photographs ©1984 Wenyon & Gamble
web page © 2006 Wenyon & Gamble
and authors

mail(AT)wengam.com
Modified: 25 May 2006

English

Von Beginn an haben vor allem Wissenschaftler und Techniker die Holographie ausnahmslos unter dem Aspekt eines perfekten dreidimensionalen Abbildungsverfahrens betrachtet. Dieser auch heute noch weit verbreiteten Einstellung gegenüber, begannen Künstler während der siebziger Jahre zunehmend in dem für sie neuen Medium ein kreativ anwendbares Bildgewinnungsverfahren zu entdecken. Je intensiver sie sich mit den besonderen Eigenschaften und Gegebenheiten des Mediums vertraut machten, desto eindringlicher richtete sich ihr Hauptaugenmerk auf die bildnerische Selbständigkeit des Lichts, durch deren gezielte Beeinflussung sich ihnen vollkommen neuartige Möglichkeiten der Bildgestaltung eröffneten. Zugleich gelangten sie dadurch zu einer grundsätzlich anderen Einstellung dem Medium gegenüber, als sie etwa von Wissenschaftlern oder Technikern vertreten wird.

Coal Seam, Wenyon & Gamble, 1984
300 x 800 mm doubleplate hologram

Während jene zumeist darum bemüht sind, auf möglichst einfachem Wege technisch einwandfreie, originalgetreue Abbildungen von Objekten herzustellen, stellt das holographische Verfahren für den Künstler eine einzigartige Herausforderung der aktiven Einflußnahme auf das angestrebte Bildprodukt dar. Insofern ist die Arbeit des Künstlers im wesentlichen durch die ihm zur Verfügung stehende Vielfalt an Manipulationsmöglichkeiten des Lichts bestimmt. Diese lassen sich in unterschiedlicher Weise bewirken. Zum einen ist es möglich, gänzlich auf die Aufnahme von Objekten zu verzichten, wobei das Licht selber zum Bild-Sujet wird. Zum anderen lassen sich aber auch transparente Glaskörper, räumliche oder flache Schablonen und gewöhnliche Gegenstände verwenden, die in diesem Fall jedoch nicht das Motiv für eine originalgetreue Aufnahme liefern, sondern zu Verfremdungseffekten benutzt werden.

Generell kann sich der Künstler zur Realisierung seiner Bildideen sämtlicher Hologrammarten bedienen. Es hat sich aber herausgestellt, daß die meisten entweder Weißlicht-Reflexionshologramme oder aber Regenbogenhologramme bevorzugen. Wobei letztere besonders gut zur abstrakten Lichtgestaltung geeignet sind. Zudem verfügen sie über eine ausgedehntere räumliche Tiefe und liefern dem Künstler zusätzlich einzigartige Möglichkeiten farbiger Lichtkompositionen. Ferner lassen sich Farbgebung und räumliche Dimension gezielt aufeinander abstimmen und zu kompositorischen Einheiten verbinden.

Aber auch das Weißlicht-Reflexionshologramm bietet dem Künstler eine Anzahl interessanter Gestaltungsmöglichkeiten. Durch manipulative Eingriffe in die lichtempfindliche Emulsion können auch damit gezielte Farbverschiebungen herbeigeführt werden. Sowohl das Künstlerduo >Wenyon & Gamble< wie auch John Kaufman haben diese Technik in ihren Arbeiten mit Perfektion zur Anwendung gebracht.



Michael Wenyon und Susan Gamble arbeiten seit 1983 in einem gemeinsamen Labor in London. Zuvor hatten beide bereits gesondert ihre Erfahrungen im Umgang mit der Holographie gesammelt. Animiert durch die besondere Struktur des Laserlichts entwickelten sie in gemeinsamer Arbeit eine neuartige Aufnahmevariante, mittels der es ihnen möglich ist, ihren Hologrammen einen einzigartigen Farbausdruck zu verleihen. Oberflächlich betrachtet mögen ihre Hologramme vielleicht zunächst den Anschein des Trivialen erwecken, was auf die ungewöhnliche Auswahl ihrer Sujets zurückzuführen ist.

Bewußt suchen sie immer wieder nach konkreten Bezügen zur gegenständlichen Erscheinung der Realität. Dabei ist eine Vorliebe für die Vertrautheit einfacher Haushaltsgegenstände wie Schneebesen, Töpfe oder Mixer unverkennbar. Immer wieder tauchen diese Gegenstände des alltäglichen Lebens in ihren svnthetischen Bildwirklichkeiten auf. Aus der gewohnten Umgebung herausgeführt, werden sie ihren ursprünglichen Funktionen enthoben. Wobei die Künstlichkeit des Laserlichts dazu genutzt wird, um sie in neuartige Bedeutungszusammen-hänge einzubinden.

Expander, 1984

Propeller, 1984

Die beiden Hologramme Expander (Farbabb. 17) und Propeller (Abb. 83) vermögen das in besonders anschaulicher Weise zu verdeutlichen. Jeweils handelt es sich dabei um Arbeiten, in denen zwei Hologramme durch Aneinanderfügung zu einer bildlichen Einheit zusammengeführt werden. Und in beiden Fällen ist das gegenständliche Motiv ein Schneebesen. Dieser ansonsten eigentlich als unbedeutend empfundene Gegenstand wird jedoch durch die jeweiligen Licht-räume, in denen er erscheint, auf seltsame Weise mit neuem Leben erfüllt. Von pigmentartig gesprenkelter Farbigkeit umhüllt, vermag er tatsächlich im einen Fall die Assoziation eines kräftezehrenden Expanders und im anderen Fall die eines dynamischen Propellers zu wecken. Der Bedeutungswandel, der sich dabei vollzieht, wird einzig durch die entgegengesetzte Anordnung des Schneebesens und vor allem aber durch die unterschiedlichen Farbstimmungen, die in beiden Arbeiten zum Ausdruck kommen, erzielt. Mal ist er von einem kontrastreichen und mal von einem flimmernden farbigen Ambiente umgeben.

Ginge es den beiden Künstlern einzig darum, den Gegenstand in seiner natürlichen Erscheinung abzubilden, dann müßten ihre Bilder in dem roten Licht des Helium-Neon-Lasers erscheinen, mit dem sie aufgenommen wurden. Durch die chemische Beeinflussung der lichtempfindlichen Emulsion ist es ihnen aber möglich, auf die Farbigkeit des Bildes direkten Einfluß zu nehmen. Dieses geschieht durch manipulatives Aufblähen und Schrumpfenlassen der Emulsion. Je nach Intensität dieses Vorganges lassen sich dadurch unterschiedliche Farbnuancierungen erzielen. Oftmals muß dabei ein Hologramm mehrfach belichtet werden, wobei die Emulsion jeweils zuvor unterschiedlich stark manipuliert wird. Coal Seam (Farbabb. 14) haben die beiden Künstler eine Arbeit benannt, die mit Hilfe dieser Technik aus der Künstlichkeit des monochromatischen Laserlichts die Fiktion eines rötlich-violett züngelnden Flammenmeeres erzeugt, in dem Kohlen zu schweben scheinen, die paradoxerweise nicht verbrannt werden.

Die Farbigkeit erlangt somit im Zusammenhang mit den abgebildeten Gegenständen ähnlich wie in der Malerei eine symbolische, beinahe sogar mystische Bedeutung, die ihrerseits wiederum eine neuartige inhaltliche Belebung der Gegenstände bewirkt.

Um den malerischen Symbolcharakter der Farbigkeit ihrer Hologramme noch zu steigern, bedienen sich Wenyon & Gamble zusätzlich einer besonderen Eigenart des Laserlichts, die von fast allen Holographen in der Regel bereits während der Aufnahme eliminiert wird. Hierbei handelt es sich um einen optischen Nebeneffekt, der immer dann auftritt, wenn Laserlicht auf Flächen auftrifft und von diesen reflektiert wird. Hervorgerufen wird dadurch ein für die meisten Holographen unliebsames Interferenzphänomen, das als gesprenkelte Lichterscheinung, auch >laser speckle< genannt, auftritt. Da Laserspeckles in holographischen Bildern ein störendes Rauschen bewirken können, sind die meisten Holographen darum bemüht, das Auftreten dieses Phänomens von vornherein zu unterbinden.

Wenyon und Gamble hingegen benutzen diese Besonderheit des Laserlichts gezielt dazu, um der immateriell-synthetischen Farbigkeit ihrer Hologramme eine scheinbar materiell-pigmenthafte Struktur zu verleihen.
Zec, Peter. Holographie: Geschichte, Technik, Kunst. Köln: DuMont, c1987. Pp 164-167.
all photographs ©1984 Wenyon & Gamble

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Susan Gamble
Michael Wenyon
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25 May 2006

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