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English
Von Beginn an haben vor
allem Wissenschaftler und Techniker die Holographie ausnahmslos unter dem Aspekt
eines perfekten dreidimensionalen Abbildungsverfahrens betrachtet. Dieser auch heute
noch weit verbreiteten Einstellung gegenüber, begannen Künstler während
der siebziger Jahre zunehmend in dem für sie neuen Medium ein kreativ anwendbares
Bildgewinnungsverfahren zu entdecken. Je intensiver sie sich mit den besonderen Eigenschaften
und Gegebenheiten des Mediums vertraut machten, desto eindringlicher richtete sich
ihr Hauptaugenmerk auf die bildnerische Selbständigkeit des Lichts, durch deren
gezielte Beeinflussung sich ihnen vollkommen neuartige Möglichkeiten der Bildgestaltung
eröffneten. Zugleich gelangten sie dadurch zu einer grundsätzlich anderen
Einstellung dem Medium gegenüber, als sie etwa von Wissenschaftlern oder Technikern
vertreten wird.
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Coal
Seam, Wenyon & Gamble, 1984
300 x 800 mm doubleplate hologram
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Während jene zumeist
darum bemüht sind, auf möglichst einfachem Wege technisch einwandfreie,
originalgetreue Abbildungen von Objekten herzustellen, stellt das holographische
Verfahren für den Künstler eine einzigartige Herausforderung der aktiven
Einflußnahme auf das angestrebte Bildprodukt dar. Insofern ist die Arbeit des
Künstlers im wesentlichen durch die ihm zur Verfügung stehende Vielfalt
an Manipulationsmöglichkeiten des Lichts bestimmt. Diese lassen sich in unterschiedlicher
Weise bewirken. Zum einen ist es möglich, gänzlich auf die Aufnahme von
Objekten zu verzichten, wobei das Licht selber zum Bild-Sujet wird. Zum anderen lassen
sich aber auch transparente Glaskörper, räumliche oder flache Schablonen
und gewöhnliche Gegenstände verwenden, die in diesem Fall jedoch nicht
das Motiv für eine originalgetreue Aufnahme liefern, sondern zu Verfremdungseffekten
benutzt werden.
Generell kann sich der Künstler zur Realisierung seiner Bildideen sämtlicher
Hologrammarten bedienen. Es hat sich aber herausgestellt, daß die meisten entweder
Weißlicht-Reflexionshologramme oder aber Regenbogenhologramme bevorzugen. Wobei
letztere besonders gut zur abstrakten Lichtgestaltung geeignet sind. Zudem verfügen
sie über eine ausgedehntere räumliche Tiefe und liefern dem Künstler
zusätzlich einzigartige Möglichkeiten farbiger Lichtkompositionen. Ferner
lassen sich Farbgebung und räumliche Dimension gezielt aufeinander abstimmen
und zu kompositorischen Einheiten verbinden.
Aber auch das Weißlicht-Reflexionshologramm bietet dem Künstler eine Anzahl
interessanter Gestaltungsmöglichkeiten. Durch manipulative Eingriffe in die
lichtempfindliche Emulsion können auch damit gezielte Farbverschiebungen herbeigeführt
werden. Sowohl das Künstlerduo >Wenyon & Gamble< wie auch John Kaufman
haben diese Technik in ihren Arbeiten mit Perfektion zur Anwendung gebracht.
Michael Wenyon und Susan Gamble arbeiten seit 1983 in einem gemeinsamen
Labor in London. Zuvor hatten beide bereits gesondert ihre Erfahrungen im Umgang
mit der Holographie gesammelt. Animiert durch die besondere Struktur des Laserlichts
entwickelten sie in gemeinsamer Arbeit eine neuartige Aufnahmevariante, mittels der
es ihnen möglich ist, ihren Hologrammen einen einzigartigen Farbausdruck zu
verleihen. Oberflächlich betrachtet mögen ihre Hologramme vielleicht zunächst
den Anschein des Trivialen erwecken, was auf die ungewöhnliche Auswahl ihrer
Sujets zurückzuführen ist.
Bewußt suchen sie immer wieder nach konkreten Bezügen zur gegenständlichen
Erscheinung der Realität. Dabei ist eine Vorliebe für die Vertrautheit
einfacher Haushaltsgegenstände wie Schneebesen, Töpfe oder Mixer unverkennbar.
Immer wieder tauchen diese Gegenstände des alltäglichen Lebens in ihren
svnthetischen Bildwirklichkeiten auf. Aus der gewohnten Umgebung herausgeführt,
werden sie ihren ursprünglichen Funktionen enthoben. Wobei die Künstlichkeit
des Laserlichts dazu genutzt wird, um sie in neuartige Bedeutungszusammen-hänge
einzubinden. |
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Expander,
1984
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Propeller,
1984
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Die beiden Hologramme Expander
(Farbabb. 17) und Propeller (Abb. 83) vermögen das in besonders anschaulicher
Weise zu verdeutlichen. Jeweils handelt es sich dabei um Arbeiten, in denen zwei
Hologramme durch Aneinanderfügung zu einer bildlichen Einheit zusammengeführt
werden. Und in beiden Fällen ist das gegenständliche Motiv ein Schneebesen.
Dieser ansonsten eigentlich als unbedeutend empfundene Gegenstand wird jedoch durch
die jeweiligen Licht-räume, in denen er erscheint, auf seltsame Weise mit neuem
Leben erfüllt. Von pigmentartig gesprenkelter Farbigkeit umhüllt, vermag
er tatsächlich im einen Fall die Assoziation eines kräftezehrenden Expanders
und im anderen Fall die eines dynamischen Propellers zu wecken. Der Bedeutungswandel,
der sich dabei vollzieht, wird einzig durch die entgegengesetzte Anordnung des Schneebesens
und vor allem aber durch die unterschiedlichen Farbstimmungen, die in beiden Arbeiten
zum Ausdruck kommen, erzielt. Mal ist er von einem kontrastreichen und mal von einem
flimmernden farbigen Ambiente umgeben.
Ginge es den beiden Künstlern einzig darum, den Gegenstand in seiner natürlichen
Erscheinung abzubilden, dann müßten ihre Bilder in dem roten Licht des
Helium-Neon-Lasers erscheinen, mit dem sie aufgenommen wurden. Durch die chemische
Beeinflussung der lichtempfindlichen Emulsion ist es ihnen aber möglich, auf
die Farbigkeit des Bildes direkten Einfluß zu nehmen. Dieses geschieht durch
manipulatives Aufblähen und Schrumpfenlassen der Emulsion. Je nach Intensität
dieses Vorganges lassen sich dadurch unterschiedliche Farbnuancierungen erzielen.
Oftmals muß dabei ein Hologramm mehrfach belichtet werden, wobei die Emulsion
jeweils zuvor unterschiedlich stark manipuliert wird. Coal Seam (Farbabb. 14) haben
die beiden Künstler eine Arbeit benannt, die mit Hilfe dieser Technik aus der
Künstlichkeit des monochromatischen Laserlichts die Fiktion eines rötlich-violett
züngelnden Flammenmeeres erzeugt, in dem Kohlen zu schweben scheinen, die paradoxerweise
nicht verbrannt werden.
Die Farbigkeit erlangt somit im Zusammenhang mit den abgebildeten Gegenständen
ähnlich wie in der Malerei eine symbolische, beinahe sogar mystische Bedeutung,
die ihrerseits wiederum eine neuartige inhaltliche Belebung der Gegenstände
bewirkt.
Um den malerischen Symbolcharakter der Farbigkeit ihrer Hologramme noch zu steigern,
bedienen sich Wenyon & Gamble zusätzlich einer besonderen Eigenart des Laserlichts,
die von fast allen Holographen in der Regel bereits während der Aufnahme eliminiert
wird. Hierbei handelt es sich um einen optischen Nebeneffekt, der immer dann auftritt,
wenn Laserlicht auf Flächen auftrifft und von diesen reflektiert wird. Hervorgerufen
wird dadurch ein für die meisten Holographen unliebsames Interferenzphänomen,
das als gesprenkelte Lichterscheinung, auch >laser speckle< genannt, auftritt.
Da Laserspeckles in holographischen Bildern ein störendes Rauschen bewirken
können, sind die meisten Holographen darum bemüht, das Auftreten dieses
Phänomens von vornherein zu unterbinden.
Wenyon und Gamble hingegen benutzen diese Besonderheit des Laserlichts gezielt dazu,
um der immateriell-synthetischen Farbigkeit ihrer Hologramme eine scheinbar materiell-pigmenthafte
Struktur zu verleihen. |
Zec, Peter. Holographie: Geschichte,
Technik, Kunst. Köln: DuMont, c1987. Pp 164-167.
all photographs ©1984 Wenyon & Gamble
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Auch auf Deutsch:
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