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*p 54-55,
Künstlichkeit und Wirklichkeit, Peter Friese, Volkshochschule Wuppertal,
Auer Schulstrasse 20, 5600 Wuppertal 1, Germany, 1987
Eine
Ausstellung der VHS (KUNST IM PROJEKT) in Zusammenarbeit mit APPENDIX Galerie und
Werkstatt mit Unterstützung des Kulturamtes Wuppertal
vom
2. bis 20. Dezember 1987
Volker
Anding, Bernh. Joh. und Anna Blume, Joan Fontcuberta/Pere Formiguera, Monika Günther,
Volker Hildebrandt, Heinz Kleine-Klopries, Daniel Poensgen, Sigmar Polke, Lydia Schouten,
R. M. E. Streuf, Wenyon & Gamble, VA Wölfl, Bill Woodrow
- texte
©1987 Peter Friese, foto ©1984 Wenyon & Gamble
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web
page
© 2006 Wenyon & Gamble
and authors
mail(AT)wengam.com
Modified: 25 May 2006 |
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Zunächst
ein kleiner Exkurs in die Antike:
Der griechische Maler und Bildhauer Zeuxis galt zu seiner Zeit als besonders großer
Künstler, weil Vögel an seinen gemalten Trauben picken wollten. So wirklichkeitsnah
waren diese gemalt.
Parrhasios, der große Konkurrent hingegen bat Zeuxis wetteifernd in sein Atelier,
um ihm sein neuestes Werk zu zeigen, das sich hinter einem Vorhang verbergen sollte.
Doch als Zeuxis den Vorhang beiseite ziehen wollte, mußte er feststellen, daß
dieser gemalt war. Er gab sich schließlich geschlagen, denn Parrhasios konnte
nicht nur Vögel täuschen, sondern sogar ihn, den großen Zeuxis.
Die Legende des antiken Künstlerwettstreites verklärt den immer wieder
der Kunst unterstellten Abbildungszwang zu einem Dogma, dem selbst die größten
Künstler zu entsprechen hatten. |
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The
Chemical Change: A Pan, Wenyon & Gamble, 1984
300 x 400 mm hologram
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Der Künstler
als Affe der Natur?
Weintrauben
und Vorhänge als Non plus Ultra der Malerei?
In der Tat
sind Handwerklichkeit und Raffinement der Illusionsverfahren gelobt, bewundert und
oft genug (zu Unrecht) zum Kriterium für ,,künstlerische Qualität"
befördert worden. Was aber bringt die perfekte Erfüllung eines illusionistischen
Abbildungszwanges mehr als die blödsinnige Verdopplung von längst Gekanntem
und Bewußtem? Die Geschichte der perspektivischen Verfahren, des Trompe l'oeil'
der Illusionismus in der Dekkenmalerei des Barock, die Realismen der 20er Jahre unseres
Jahrhunderts bis hin zum Fotorealismus und zu den Skulpturen von Duane Hanson und
John de Andrea belehren uns dabei eines Anderen. Bei näherer Beschäftigung
mit ihnen wird klar: Illusionstechniken können nur dann Bestandteile von Kunst
sein, wenn über den puren handwerklichen Darstellungseffekt hinausgehende Intentionen,
Ideen, Infragestellungen vorliegen. D.h. die Täuschung des Betrachters muß
u. a. zugleich auch intellektuelle Strategie sein, sie muß etwas noch nicht
Vermutetes bewußt machen und bisherige Grenzen von Wahrnehmung erweitern. Man
kann durchaus alle genannten historischen Beispiele mit derartigen Intentionen in
Verbindung bringen, sie sind - bei näherer Betrachtung - mehr als nur perfekte
Täuschungen.
Madame Tussand
machte demnach etwas völlig anderes als Duane Hanson, obwohl sich die Resultate
vom Standpunkt der Handwerklichkeit, d.h. formal sehr stark ähneln.
Im Zeitalter
der Fotografie, der massenhaft verbreiteten Druckerzeugnisse, der Flut der Fernsehbilder
und schließlich der Computersimulationen, die keine Vor-Bilder mehr aus der
,,eigentlichen Realität" brauchen, um sich selbst ,,authentisch" und
,,natürlich" zu simulieren, ist der Raum, in dem sich Kunst neben oder
zusammen mit der Illusion ansiedeln kann, allerdings verschwindend eng geworden.
Zu banal und
zu billig erscheint es, Totalsimulationen wie die Holographie im künstlerischen
Sinne einzusetzen. Zu stark ist diese Technik schon vermarktet und zum Panoptikumseffekt,
zur optischen Sensation degeneriert. Es sei denn, man setzt Banalität und Illusion
reflektiert ein, indem man von vornherein nur Banales simuliert und den billigen
Jahrmarkts effekt (der technisch derartig aufwendig ist) von vornherein affirmativ
mitinszeniert - mit banalen Bildgegenständen wie Küchengeräten oder
Brillen zum Beispiel.
,,Das englische
Team Wenyon & Gamble etwa führt holographische Kompositionen unter Verwendung
alltäglicher Themen aus, doch geben sie sich nicht mit dem kurzlebigen ,,Schock
des Erkennens" zufrieden, der von diesen geisterhaften, dreidimensionalen Erscheinungen
ausgelöst wird. Ganz bewußt verwerfen sie den dokumentarischen Ansatz,
den viele Holographen bevorzugen, und zeigen keine Sympathie für jene ironischen
optischen Tricks, die sie oft dem neuen Medium eine marktschreierische Vulgarität
verleihen. Um eine ästhetische Kontinuität bemüht, erzeugen sie mit
Laserlicht abstrakte Farbmuster auf ihren holographischen Platten und montieren ihre
Arbeiten häufig auf Stative, die an das Genre der Staffelmalerei erinnern.
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Expander,
1984
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Propeller,
1984
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Rahmen und
Stative sind jeweils von Hand bemalt, um die Laser- Sprenkel mit ihrem geschichtlichen
Ursprung in Beziehung zu setzen (und vielleicht als ironische Anspielung darauf,
daß der holographische Prozeß manuelle Geschicklichkeit vorraussetzt).
Für Michael Wenyon und Susan Gamble ist Holographie eine Fortführung der
kreativen Möglichkeiten und keine abrupte, futuristische Usurpation früherer
Techniken".
(David Galloway, Artware, Hamburg 1986.)
Wenyon &
Gambles Holographien führen in ihrem souveränen Umgang mit der perfekten
Täuschung diese selbst hinter's Licht. Sie ent-täuschen und enthalten letztlich
behutsame und kritische Strategien, Illusionen als Bestandteile der Wirklichkeit
in differenzierter Weise zu akzeptieren, sie also weder von ihr besserwisserisch
abzusetzen, noch mit ihr zu verwechseln.
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*p 54-55,
Künstlichkeit und Wirklichkeit, Peter Friese, Volkshochschule Wuppertal,
Auer Schulstrasse 20, 5600 Wuppertal 1, Germany, 1987
- texte
©Peter Friese 1987, foto ©Wenyon & Gamble, 1984
- original
reproductions in black and white
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